KFZ Poggel & Neubauer GbR
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Die neue Lust am alten Laster

Die Jungs der Ansteler Werkstatt Poggel sanierten in 18 Monaten einen 1956er Borgward-Lkw

von Gerd von Gendorf

Vor 56 Jahren war er im berühmten Bremer Borgward-Werk gebaut worden. Davon zeugt die Original-Plakette unter der Motorhaube. Er war bei der damals noch jungen Bundeswehr im Einsatz und auch beim Roten Kreuz. Ein halbes Jahrhundert später verliert ein Oldtimersammler das Herz an den alten T 75, will ihn wieder "wie neu" haben – und stellt ihn den Jungs der Werkstatt Poggel zum Herrichten vor die Tür.

"Von außen konnte man nicht sehen, wie marode das Teil war," erinnert sich Meister Wolfgang Poggel. "Als wir das Ding zerlegt hatten, war da Rost, soweit das Auge reichte. Vier Schichten Lack – von den unterschiedlichen Vorbesitzern aufgetragen – hatten verborgen, wie kaputt alles war." Zunächst wurde der hintere Aufbau, die Pritsche, demontiert. Nach dem Sandstrahlen waren da riesige Löcher in den Seitenklappen. Poggel: "Wir haben einen befreundeten Metallbauer hinzugezogen. Als der abwinkte, habe ich angefangen daran zu zweifeln, ob wir das hinkriegen werden."

 

Die Stimmung in der Werkstatt-Truppe war angesichts des metallenen Schweizer Käses im Keller. Und wenn alle daniederliegen, muss der Meister aufstehen und vorangehen. An einem Samstag "guckt sich" Wolfgang Poggel das alte Schätzchen "nochmal an": Er schneidet alle schadhaften Stellen heraus und fertigt übers Wochenende neue Bleche an. Kompagnon Martin Neubauer: "Als ich montags in die Werkstatt kam und Wolfgangs geniales Blechteil-Puzzle sah, haben wir entschieden 'wir machen das!'."

Mit dem Willen zum Erfolg macht sich die Mannschaft ans Werk. Nach der Pritsche ist das Führerhaus an der Reihe. Alles wird zerlegt, gesandstrahlt und verschweißt. Der Materialverbrauch: sechs Quadratmeter (!) Blech, meterweise Winkeleisen und mehrere Pakete Schauben. Und Spatelmasse? Natürlich keine! Im nun blanken Blech waren alle Sünden zu sehen, die ausgebeult werden mussten. Neubauer: "Das ging hier so laut zu wie früher im Mannesmann-Röhrenwerk." Nach getaner Dengelei war's Zeit fürs Grundieren, Füllern und Lackieren – in den Farben rot und weiß. Neubauer: "So wollte der Sammler den Wagen haben, auch wenn das Prachtstück so im Original nie ausgesehen hatte. Aber rot-weiß war bei Lastern in den 50er Jahren durchaus 'in'." Und damit alles schön nostalgisch wirkt, erhielt der Borgward ein Stoffdach und eine Plane aus Gewebe in Jute-Optik.

 

Beim Motor-Check legte "Auto-Doc" Poggel Hand an und zerlegte den Vergaser, um alles zu reinigen und anschließend neu zu justieren. Dabei tat der alte Bosch-Motortester, den schon Papa Poggel in den 60er Jahren im Einsatz hatte, gute Dienste. Bei der ersten Testfahrt mit dem Sechszylinder hatte Azubi Malte Wißdorf auf dem Beifahrersitz regelrecht Angst: "Das Ding geht ab wie Schmitz' Katze!" – und der glückliche Besitzer ein breites Grinsen im Gesicht.

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