KFZ Poggel & Neubauer GbR
Ihr Auto ist unser Job, Ihr Oldtimer unsere Leidenschaft

Die Pferde(stärken)-Pflüsterer

von Gerd von Gendorf

Immer wieder abends geben sich Oldtimer-Experten von Weltruf ein Stelldichein, um Probleme automobiler Kleinode zu lösen.

„Good evening, friends!“ – Ein Cowboyhut lugt durch die Tür zur Werkstatt der Ansteler Firma Poggel. Darunter steckt einer der „buntesten Hunde“ des Rennsportzirkus der vergangenen Jahrzehnte. Der US-Amerikaner Lee Alan Muir, von 1966 bis 1972 der Motoren-Spezialist im Mc-Laren-Rennstall, schlendert in die Halle. Er wedelt mit der von ihm höchstpersönlich entworfenen technischen Zeichnung für ein Ersatzteil, das nun endlich gebaut werden kann. Ein Freundschaftsdienst. Der 70-Jährige kommt gerade aus Mönchengladbach, wo er einen sündhaft teuren Maserati restauriert. Weiter angereist ist am heutigen Abend der renommierte Oldtimer-Gutachter Norbert Schröder. Als Geschäftsführer der Düsseldorfer Gutachtenzentrale Kleofactum ist der Gohrer gerade aus Argentinien zurückgekehrt. Die Mission: Bewertung eines sündhaft teuren Fahrzeugs, das ein deutsches Museum ankaufen will. Erledigt.

 

Die Pflicht ist getan, Zeit für die Kür: Es ist eine recht illustre Truppe internationaler Spezialisten, die anrückt, wenn die beiden Oldtimer-Enthusiasten Wolfgang Poggel und Martin Neubauer rufen. Denn wenn alle Ölwechsel, Reparaturen und Inspektionen des Tagesgeschäfts gemacht sind, wenden sich die beiden der gemeinsamen Leidenschaft zu: dem Restaurieren und Instandsetzen von Fahrzeugen, die bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Das Ziel: Sie der Nachwelt zu erhalten – und den stolzen Besitzern nach Wochen und Monaten meist filigraner Arbeit und Ersatzteil-Recherche beim Anblick des runderneuerten geliebten Untersatzes Tränen der Freude in die Augen zu treiben.

 

Die beiden – der eine stammt aus Höningen, der andere aus Neuss – liefen sich schon in der Jugendzeit regelmäßig über den Weg. Damals ging es noch darum, das schnellste Mofa frisiert zu haben. Wolfgang Poggel schmunzelt: „Die Leute kannten mich wegen meiner Kiste. Das Teil war satte 95 Stundenkilometer schnell.“ Martin Neubauer kontert: „Ich geb‘ ja zu, dass du die besten Umbautipps hattest, aber ich war schneller unterwegs.“

 

Seit 1994 reparieren die beiden gemeinsam neue und nicht ganz so junge Autos am Ansteler Mühlenweg im Betrieb, den Vater Poggel vor Jahrzehnten ursprünglich in Höningen gründete. Sie sind – nicht nur nach eigenem Bekunden – wie ein altes Ehepaar, das sich kabbelt. Aber die Liebe zu allem, was sich mit Motorkraft bewegt, hat sie zusammengeschweißt. Jeder schätzt die Qualitäten – und Eigenheiten – des anderen. Während Neubauer aus dem Rennsport kommt und möglichst viele PS in altem Blechkleid bevorzugt, wenn er sich nicht gerade ums Kaufmännische kümmert, ist Poggel der Kfz-Meister mit jahrzehntelanger Erfahrung und analytischem Techniker-Verstand. Und wenn er gerade mal nicht mithören kann, spricht Martin Neubauer mit offener Bewunderung über seinen Partner: „Ich weiß, Wolfgang hört das nicht gerne. Aber er ist als Automechaniker ein begnadetes Genie. Er hat eine geradezu instinktive Sicherheit, Fehler zu finden.“ 

 

Lobhudelei? Weit gefehlt. Denn hin und wieder pilgern Vertreter bekannter Markenwerkstätten aus der Region an den Mühlenweg. Sie holen sich Rat, wenn sie mit dem eigenen Latein gerade bei älteren Modellen am Ende sind. Und es gibt Kunden, sie scheuen nicht den Weg über den Ärmelkanal, um das eigene Gefährt in guten Händen zu wissen. Wie der Mini-Fahrer aus London und der Jaguar-Fan aus Schottland.

 

Schummriges Licht erfüllt die nächtliche Firmenhalle. Der Duft von Metall und Öl liegt in der Luft. Fachsimpelnd haben sich die vier Freunde betagter Fortbewegungsmittel ums „Heilig‘s Blechle“ versammelt: Aufgebockt unter einem Strahler liegt der Sechszylinder-Boxermotor eines orangen 911er Porsche von 1970, der dringend der Überholung bedarf. Kein Zweifel bei den Beteiligten, dass sie den wieder hinbekommen.

 

Ok, hier geht es ja nur um einen Motor. Aber was ist mit dem ockerfarbenen Monster da oben auf der Hebebühne? Hat offensichtlich schon bessere Jahre gesehen. Und die Frontpartie macht den Eindruck, als ob sich in den Wirren des Zweiten Weltkrieges eine Panzerfaust darin verirrt hat. Wolfgang Poggel klärt auf: „Vom Alter her wäre es möglich gewesen, denn dieser Cadillac LaSalle erblickte 1938 das Licht der Welt. Nur: Er war in Südafrika zuhause.“ Dann gerät er ins Schwärmen: „Das da unter der meterlangen Motorhaube ist ein V8, ein Juwel, ein echter, nein DER Big Block schlechthin! So ein Teil ist wie aus dem Vollen gemeißelt. In den 60er Jahren noch wurde das Ding mit einem fetten Roots-Kompressor davor auf lockere 1.000 PS aufgeblasen.“ Andächtige Stille. Dann: „Den machen wir bis Mai für einen Kunden fertig.“ – „Mai 2014, rechtzeitig zur nächsten WM ohne Vuvuzelas?!“ – „Quatsch. Natürlich Mai 2011. Wir haben ja noch ein paar Wochen Zeit. Klappt schon.“

 

Neben dem riesigen Ami-Schlitten wartet eine schwarze französische Schönheit mit Namen „Citroen 11 CV“ darauf, von „Onkel Doktor Poggel“ mit dem – wirklich! - Stethoskop abgehört zu werden: Wimmert etwa die Wasserpumpe? Oder ächzt ein Kolben ungesund vor sich hin? Erste Hilfe naht! Wolfgang Poggel klärt auf: „Mit modernen Motortest-Computern kommst du hier nicht weiter. Warum nicht? Ganz simpel: Die Gangster-Limousine von 1949 hat zwar schon Frontantrieb, aber eben noch keinen USB-Anschluss. Denn erst acht Jahre zuvor hatte Konrad Zuse mit dem „Z3“ überhaupt erst den ersten Computer der Welt gebaut.“

 

Ja, die Beschäftigung mit alten Autos bildet. Und sie kann überaus unterhaltsam sein, wenn man das Gespann Poggel&Neubauer bei einem gepflegten Kölsch erlebt. Denn der Fuhrpark der beiden Auto-Enthusiasten ist groß: Ein „feuerrotes Spielmobil“ namens Alfa Romeo GT Bertone 2 Liter Veloce gehört dazu. Inklusive exklusiver Zutaten wie 45er Weber-Vergaser, Bastuck-Sportauspuffanlage und 100-Liter-Alutank mit Stutzen unter dem Kofferraumdeckel. Ganz schön clever, denn der Original-Tankdeckel beim Alfa rostete gerne weg. Nun gibt es ihn nicht mehr – und auch keinen Rost. Ein Borgward-Laster wartet auf die restaurierende Hand. Ein Heinkel-Roller gehört auch zur blechernen Familie, und, und, und…

 

…Und zu jedem fahrbaren Untersatz gibt es hörenswerte Geschichten, gar Histörchen aus längst vergangenen Tagen, die sich die Pferde(stärken)-Flüsterer mal wieder erzählt haben. Mitternacht ist längst vorüber. Stille ist eingekehrt in der nun menschenleeren Werkstatt. Aber nur für ein paar Stunden. Zum Glück.

 

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